Indoor

Es regnet. Die großen schweren Tropfen fallen nach ihrer langen Reise durch die Dunkelheit weit weg von mir am Fenster vorbei und zerplatzen mit einem leisen Geräusch auf dem Dachfenster. Bei diesem Regen raus gehen erscheint mir unmöglich. Viel zu Nass und Kalt. Da bin ich schon lieber im Warmen. Zu Hause auf meinem kuschligen Bett liegend. Menschen die dem Regen trotzen, halte ich für verrückt. Da habe ichs besser. Zu Hause vor dem Fernseher. Meine Augen gleich nicht Vierecken, sondern Feuerlawinen. Sie brennen auch, aber nur ein bisschen. Die Fenster bleiben besser geschlossen. Der umherwabernde Rauch übernimmt die Insekten/Spinnenbekämpfung. Das aktuelle Programm langweilt mich. Ich schalte um. Zack, der Shoppingkanal. ICh bin sofort begeistert. Alle Menschen brauchen ein Schleifgerät. Vorallem dieser Reinigungsstein. So faszinierend. Die Schleifplatte werden im Nu wieder blitze blank. Sofort bestellen. Aber, oh nein, das Telefon, es liegt im unteren Stockwerk. Der Weg zu weit. Also schnell wieder umschalten. Dabei entdecke ich wie faszinierend meine Fernbedinung eigentlich designt ist. Diese markellose Oberfläche und die weichen Grauen Knöpfe. Diese runden Formen. Ein massives Meisterwerk der Neuzeit. Bloß eher unbeachtet von den meisten.
Technik und Design begeistert mich grad ungemein. Vielleicht sollte ich alles in Plastiktüten einpacken. Damit es auf immer so schön bleibt.
Aber nein, ich schalte lieber noch ein mal durch. Eine gute Dokumentation, ich bleibe sofort hängen. Ahhh, arbeitslose Kiffer aus Neu-Köln. Sie Kiffen sehr viel und finden ihr Leben deshalb so hart. “Jeden Tag streß, weißt du, Arbeitsamt.” Haha, jetzt müssen sie in ein Arbeitscamp gehen, alle Taschen werden auf Drogen und Waffen durchsucht. Etwas dabei, hat keiner.
Während ich so dahin vegitiere, werde ich müde und mir wird etwas langweilig. Doch was tun, draußen ist es viel zu Naß. Also lieber hier drinne die aktive Spinnenbekämpfung vorsetzen. Essen brauche ich heute nicht mehr. Das wäre wohl zu Anstrengend. Einfach im Bett liegen bleiben und später die Zähne putzen. Dann schlafen.
Das wird alles sein.
Während ich die Augen geschlossen habe und meine Gedanken spielen lasse höre ich es wieder. Das leise prasseln der Regentropfen auf dem Dachfenster. Sie sind frei. Zumindest, bis sie am Fenster zerplatzen. Dann werde sie zu einem großen Strom, die Donau, bis sie im Meer verenden. Sie haben ein tolles Leben.
Sicherlich bin ich, morgen auch wieder frei. Frei wie ein Regentropfen. Auf seiner ewigen Reise durch die Welt.