Zitat

Liebe Leser,

ich möchte euch heute einen kleinen Auszug aus einem Buch posten der mich immer noch fasziniert. Here we go:

“[...] Man betrachte die Ozeane. In ihnen lebt eine weit höhere Anzahl von Wesen als auf dem Festland, die Nahrungsgrundlagen sind knapp und ungleichmäßig verteilt. Unter Wasser gibt es keine Gesetzbücher, keine Richter, keine Gefängnisse, keinen Anwalt und keine Polizei. Alles ist Kampf, nichts Krieg. Die Artenvielfalt verringert sich nicht, die Populationen bleiben im Gleichgewicht, das große Ganze funktioniert, während das Einzelwesen sich nimmt, was es braucht, und nichts darüber hinaus. Dieses Wunder bewirkt der Pragmatismus. Ein Tier muss an nichts glauben außer an den unsinnigen Sinn des Überlebens. Allein, der pragmatische Mensch unterscheidet sich vom pragmatischen Tier in einer bedeutenden Einzelheit. Sein Spieltrieb erlischt nicht mit dem Eintritt der Geschlechtsreife. Sein Spieltrieb lebt ewig. Ob das den menschlichen Pragmatismus zu einer gefährlichen Einrichtung macht – ich vermag es nicht zu sagen.”

[Juli Zeh, Spieltrieb, 2006]