Es ist heiß. Die Sonne strahlt lang und erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel herab. Auch nachts erfahren die verschwitzten Körper keine Kühlung. Durch die geöffneten Fenster lässt sich von Zeit zu Zeit das Wimmern mückengeplagter Kinder vernehmen. Nicht weit von unserem Schlafzimmer liegt der verwesende Leichnam eines Kalbes an einer Abgrenzungsmauer.
Es scheint als habe Gott die Stadt über die Sommermonate verlassen. Die Bevölkerung dieser kleinen griechischen Insel verbringt den Tag in den schattigen, weinbewachsenen Innenhöfen ihrer verwinkelten Häuser. Nach oben hinaus enden diese Bauwerke in flache Betondächer aus Stahlträger wie Krallen hervorstehen um einen möglichen Anbau zu erleichtern. Die Touristen liegen zu Hunderten in gemieteten Liegestühlen am Strand, nah an der Brandung um noch die kleinste Kühlung durch die Gischt der lächerlichen Wellen abzubekommen. Eine ölige Mischung aus Salzwasser und Sonnencreme benetzt ihre Körper, welche rötlich in der Sonne glänzen. Braungebrannte Kinder spielen im Sand aus dem sie die kleinen muschelbeklebten Burgen erschaffen die in dieser gezeitenlosen Gegend nicht ganz so vergänglich sind wie ihre Ebenbilder an den großen Ozeanen.
Einige Kilometer südlich von hier scheint die Natur frei vom Einfluss des Menschen zu sein… wenn man den einschlägigen Werbeprospekten der Hotelverwaltungen Glauben schenkt. Wie an einem Drehkreuz des globalen Transportwesens wird hier Massenabfertigung im großen Stil betrieben. Nachts erreichen hunderte Meeresschildkröten die Sandbänke der Insel und ziehen sich mühsam den Strand empor um ihre Eier zu vergraben während sie dabei umsichtig von Freiwilligen aus ganz Europa betreut werden. Des Tages andererseits strömen die Touristengruppen aus der ganzen Welt herbei um auf eben diesen Stränden ihre Haut der Sonne auszusetzen. Müll wird verscharrt, ungeachtet des ungeborenen Lebens das nur wenige Zentimeter tiefer im Sand schlummert. Wenn im Oktober das große Schlüpfen beginnt könnte es dieses Jahr zu einer ungewollten Werbeveranstaltung werden. Wo die Kameras der Dokumentarfilmer sonst kleine Schildkröten die aus dem Sand kriechen filmen, könnten diesmal Bilder entstehen wo eben diese Wesen sich unbeschadet aus einer Mischung von Zigarettenschachteln und Coladosen erheben… sofern sie nicht durch den Sonnenschirm eines Touristen vor der Geburt aus dem Leben genommen wurden.
Meeresschildkröten… Hier ist das Revier der großen Caretta Caretta. Als wir diese Woche während eines sehr windigen Tages an den menschenleeren Stränden von Zakynthos baden gingen um die “hohen” Wellen auszunutzen trafen wir eine von ihnen in unmittelbarer Strandnähe. Die Tiere sind knapp einen Meter lang, im flachen Wasser extrem beweglich und heben mit einer ungeahnten Anmut ihren Kopf über die Wasseroberfläche um zu atmen. Bis auf anderthalb Meter konnte man sich ihr problemlos nähern ehe sie wieder gemütlich außer Reichweite padelte. Wahrscheinlich haben die Menschen ihr einen guten Grund dafür gegeben… aber seeehr gechillte Tiere!
Gruß aus Greece