Gregor kippte rücklings in den alten Mülleimer, den er seine Gedanken nannte. Zwischen all den glitschigen Kindheitserinnerungen und stinkenden Tagebucheinträgen fanden seine strampelnden Gliedmaßen keinen Halt und so rutschte er hilflos weiter durch ein Gestrüpp fein verästelter Träume und Sehnsüchte. Dornige Fantasien fügten ihm tiefe Schnitte zu bis er schließlich fluchend gegen den schweren rostigen Tresor im Zentrum dieser von ihm geschaffenen Welt knallte. Mehrere Meter hob er sich vor dem dunklen Himmel ab und ragte in die ewige Nacht hinein. Sein Kern bestand aus einer schier undurchdringlichen Wand des Vergessens um die Gregor in langer Arbeit sorgfältig eine dicke Schutzschicht aus Noten und Melodien gelegt hatte. Wie Runen bedeckten die ineinander verschlungenen Notenschlüssel die Außenwände, doch trotz der Sicherheitsvorkehrungen hatte der Rost sich schon an einigen Stellen in die Haut des Kerkers gefressen. Langsam stand Gregor auf und wich vor diesem Monstrum zurück. Von außen konnte man die gefangenen Erinnerungen heulen und gegen die Wände pochen hören. Sie strebten nach Anerkennung und Offenbarung. Wie jede Erinnerung der Menschheit wussten sie, dass sie eines Tages ans Licht kommen würden und erwartungsvoll drängten sie nach draußen. Gregor stöhnte. Die Droge begann ihre Wirkung weiter auszudehnen. Fledermausschwärme zogen über seinem Kopf hinweg und kleine Wesen tummelten sich in seinem Großhirn. Vielleicht war es an der Zeit sich den Erinnerungen zu stellen. Vielleicht würde ihm sein weiteres Leben dann leichter fallen…
Langsam schritt er auf die Tür des Tresors zu. Hinter ihr würde er die gerechte Strafe für all seine Taten erhalten.
Mit einem Klicken schwang die Tür auf.
Das Denken der Gedanken
Published: September 1, 2008