Der Burgherr

Der Burgherr blickte in den stahlgrauen Himmel hinauf. Rund um seine Festung breitete sich die feindliche Flut aus. Die warme Luft wurde von einer sanften Brise umgewälzt welche sich hoffnungsvoll ihren Weg ins Landesinnere zu bahnen suchte. Salzig und frisch roch es nachdem die Stadt ihren letzten Sonnenuntergang erlebt hatte. Noch stand der Hauptturm stark und stolz inmitten der sorgfältig gehärteten Mauern doch der Feind grub sich Welle um Welle tiefer in seine Richtung vor. Woher kam all diese Kraft?

Der Mond stand einsam am trostlosen Himmel. Zum leisen Rauschen des andauernden Kampfes erklang der entmutigende Schrei einer Lachmöwe, die hoch über der Burg ihre Kreise zog und die letzten Verteidiger zu verspotten schien. Die Angreifer rasten aus der Dunkelheit auf die Wälle zu. Lautlos rissen sie Stein um Stein mit sich. Das verbaute Holz, welches dieses Mal das Bestehen der Festung sichern sollte, wurde aus den Fundamenten gebrochen. Scheinbar spielerisch nahm der Feind Turm um Turm. Der Burgherr formte in einem letzen Aufbäumen neue Verteidigungslinien doch sie fielen unter seinen Händen.

Schließlich erreichte der Feind auch den großen Turm. Dieser schwankte erst bedrohlich, versuchte die Stabilität zu wahren, nur um sich dann doch seinem Schicksal zu ergeben. Lautlos sackte das hohe Gebilde, welches in mühsamer Arbeit errichtet worden war, in sich zusammen.

Die Schlacht war endgültig verloren.

Mit Tränen in den Augen ging der Junge zurück ins Hotel. Morgen würde er das Meer besiegen…

Der Mond sonnte sich in der Nacht und spielte mit der Flut.

Die kleine Sandburg am Strand würde in den nächsten zehn Minuten verschwunden sein.

Das Meer eroberte verlorenes Territorium zurück und verleugnete die Existenz der Menschen.

Und der Schrei der Lachmöwe verklang langsam zwischen den Dünen deren begrünte Rücken im Wind raschelten…